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Die Mauereidechse

Passion: sonnenverliebte Mitbewohnerin

Wer an einem warmen Tag durch den KGV „Am Schiffhof“ spaziert, könnte das Gefühl haben, beobachtet zu werden. Nicht von Nachbarn – nein, von einem kleinen, flinken Gartenbewohner mit glänzenden Schuppen und Sonnenbrillen-Vibes: der Mauereidechse (Podarcis muralis).

Die Mauereidechse ist ein echtes Sonnenkind. Während wir Gärtnerinnen und Gärtner schon beim Unkrautjäten schwitzen, liegt sie auf einem Stein und denkt sich: „Ach, ihr Menschen arbeitet so fleißig – aber einer muss ja schließlich für die gute Laune sorgen!“ Schattenplätze meidet sie so konsequent wie wir den Montagmorgen. Ihr Lieblingsplatz? Ein sonniger Stein, 28 Grad warm, mit Aussicht auf ein Insektenbuffet.

Mauereidechsen haben klare Vorstellungen vom perfekten Zuhause. Ihre Traumwohnung finden sie in alten Trockenmauern (am liebsten mit ein paar Ritzen zum Verstecken), Holzstapel („Echsenwohnungen mit Vollausstattung“) und naturbelassenen Ecken mit Sand und Sonne. Die Mauereidechse liebt alles, was ein bisschen wild aussieht. Außerdem hat das Tier eine große Abneigung gegen Pestizide – schließlich will sie sich das Buffet nicht vergiften lassen. Auf dem Speiseplan stehen dann Fliegen, Spinnen und kleine Käfer.

Mauereidechsen im Kölner Süden – kleine Sonnenköniginnen mit großem Anspruch

Rund um den Bahnhof Eifeltor und unseren Kleingartenverein „Am Schiffhof“ haben die Mauereidechsen ihr Paradies gefunden. Hier genießen sie Wärme, Ruhe und die Gesellschaft vieler naturverbundener Menschen. Die Mauereidechse liebt das, was wir oft als „wild“ oder „unaufgeräumt“ bezeichnen. Dort, wo nicht jeder Grashalm in Reih und Glied steht, wo Natursteinmauern kleine Ritzen bieten und Wildkräuter frei wachsen dürfen, fühlt sie sich am wohlsten.

Von Brüssel bis Bahndamm: Die Mauereidechse und ihr internationales Schutzprogramm

EU-weit steht die Mauereidechse unter strengem Schutz und gilt in Nordrhein-Westfalen als gefährdet. Konkret bedeutet das: Eingriffe in ihren Lebensraum sind laut Bundesnaturschutzgesetz genehmigungspflichtig.

In Köln kommt überwiegend die Unterart „Podarcis muralis brongniardii“ vor – manchmal auch kleine „Reisende“, die über den Bahnverkehr eingeschleppt wurden. Mit anderen Worten: Wer eine Mauereidechse in seinem Garten entdeckt, hat nicht nur ein besonderes Tier zu Gast, sondern vielleicht auch einen kleinen EU-Schützling mit internationalem Hintergrund.

Mauereidechsen fördern – so gelingt’s im Kleingarten

Wer Mauereidechsen im Garten hat, darf sich glücklich schätzen – denn sie sind ein Zeichen für ein gesundes, vielfältiges Ökosystem. Mit ein paar einfachen Maßnahmen lässt sich ihr Lebensraum nicht nur erhalten, sondern sogar verbessern.

  • Lebensraum schaffen

Die Mauereidechse liebt es natürlich. Besonders wohl fühlt sie sich an Trockenmauern aus Naturstein, in denen sie kleine Ritzen und Spalten als Verstecke findet. Auch Steinhaufen, Totholz und sandige Bodenstellen bieten ideale Rückzugsorte. Selbst vertikale Strukturen wie Mauern oder Böschungen nutzt sie gerne als Aussichtspunkte und Sonnenplätze.

  • Sonnenplätze sichern

Als echte Sonnenanbeterin bevorzugt sie Süd- oder Westlagen, wo sie ihre Körpertemperatur regulieren kann. Dunkle Steine wirken dabei wie kleine Wärmespeicher. Wichtig ist, dass der Bereich nicht zu dicht beschattet wird – hohe Büsche oder Zäune daher nicht unmittelbar an den Sonnenplätzen stehen.

  • Nahrung fördern

Ein artenreicher Garten ist auch ein gedeckter Tisch für die Mauereidechse. Wildblumen und Kräuter wie Thymian, Lavendel oder Salbei locken Insekten an, von denen sie sich ernährt. Auch Beerensträucher und laubreiche Ecken sind willkommen – Hauptsache, es summt und krabbelt. Ganz wichtig: keine Pestizide oder Kunstdünger! Sie schaden nicht nur Insekten, sondern auch den Eidechsen selbst.

  • Störungen vermeiden

Mauereidechsen sind scheu und empfindlich. Während der Paarungs- und Aufzuchtzeit im Frühjahr und Sommer brauchen sie besonders viel Ruhe. Bitte keine Fangversuche oder Umsiedlungsaktionen – sie stehen unter strengem Schutz! Auch Haustiere, vor allem Katzen, sollten möglichst ferngehalten werden.

  • Rechtliches beachten

Die Mauereidechse ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Wer größere Umbauten oder Baumaßnahmen plant, sollte deshalb vorher die zuständige Naturschutzbehörde informieren.

  • Beobachtungen melden

Wer Mauereidechsen entdeckt, kann helfen, ihr Vorkommen zu dokumentieren. Meldungen an den NABU Köln, die Biologische Station oder Projekte wie „Reptilien melden“ tragen dazu bei, den Bestand dieser faszinierenden Tiere besser zu erfassen und zu schützen.

🌿 Fazit

Wer Mauereidechsen im Garten hat, besitzt ein echtes Naturjuwel – ein Zeichen dafür, dass der eigene Garten lebt, summt und blüht.

Etwas Sonne, Struktur und eine gute Portion Gelassenheit können dafür sorgen, dass sich diese charmanten kleinen Reptilien auch künftig bei uns zu Hause fühlen. Und wer weiß – vielleicht erwischt du eines Tages eine Mauereidechse dabei, wie sie dich vom Stein aus anschaut und denkt: „Mach weiter so – ich bleib hier gern!“